Bei einem Schlaganfall treten plötzlich Funktionsstörungen auf, da es zu Strukturschäden im zentralen Nervensystem kommt. Neben dem Wissen über Risikofaktoren und Akuttherapie des Schlaganfalls ist eine früher Beginn der Rehabilitation wichtig. Eine hohe Intensität der Behandlung verbessert das Ergebnis, vor allem, wenn man wissenschaftlich fundiert therapeutisch arbeitet.

von Dr. med. Tobias Frank

Schlaganfall – was ist das überhaupt?

Dieser und unser Folgeartikel über Schlaganfallrehabilitation fokussiert sich auf die Lebenswelt von Betroffenen. Was kann ein Betroffner selbst bereits kurz nach einem Schlaganfall für sich tun. Das Verständnis der Erkrankung gehört aber ebenfalls zum Verarbeitungs- und Heilungsprozess. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hat auf ihren Seiten weitere hervorragende Informationen zusammengestellt. Hier finden Betroffene auch Adressen zu Selbsthilfegruppen oder Ansprechpartner.

Bei einem Schlaganfall treten plötzlich Funktionsstörungen auf, da es zu Strukturschäden im zentralen Nervensystem kommt. Die Symptome können mit oder ohne begleitende Kopfschmerzen oder Bewusstseinsstörung einhergehen. Ganz typisch sind Sehstörungen, Sprach- und Sprachverständnisstörungen, Lähmungen und Taubheitsgefühle und Schwindel mit Gangunsicherheit. Zur Prüfung eignet sich der FAST-Test (FAST steht als Abkürzung für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit)). Von einem Schlaganfall spricht man, wenn die Funktionsstörungen länger als 24 Stunden besten bleiben. Eine flüchtige Symptomatik nennt man „transitorische ischämische Attacke“ (TIA, Dauer maximal 24 Stunden).

Die Ursachen für plötzliche neurologische Funktionsstörungen sind zu 95% durch eine Strukturstörung im Gefäßsystem des Gehirns oder Rückenmarks verursacht. Andere, seltene Ursachen sind: epileptische Anfälle, Tumore, Multiple Sklerose, Stoffwechselstörungen, oder psychisch bedingt. Von den Ursachen im Gefäßsystem sind

  • 85% durch eine Durchblutungsstörung verursacht. In diesem Fall spricht man korrekt von einem ischämischen Schlaganfall (syn.: Hirninfarkt).
  • 15% der Schlaganfälle entstehen durch eine Hirnblutung.

Warum es schlecht ist, wenn das Gehirn nicht mehr mit Blut versorgt wird

Verschließt sich ein hirnversorgendes Gefäß kommt es innerhalb von Minuten zum Absterben der versorgten Hirnzellen. Ohne Blutversorgung quellen die Zellen auf. Die Zellwand wird durchlässig und schädigende Stoffe treten in die Zelle ein. Hier entsteht ein sogenannter Infarktkern. Dieses Hirngewebe ist nicht mehr rettbar. Allerdings können die Funktionen dieser Region wieder hergestellt werden, wie wir im Folgeartikel besprechen werden.

In der Umgebung entstehen Entzündungen durch Botenstoffe und einwandernden Entzündungszellen. Die Umgebung ist auch nicht so gut mit Blut versorgt und es besteht das Risiko, dass auch hier Zellen absterben. Man spricht von Penumbra (lat.: „Halbschatten“). Es ist noch rettbares Gewebe vorhanden, das geschützt werden muss. Die Rettung der Penumbra ist auch Ziel einer rekanalisierenden Therapie, da die Penumbra nur begrenzt von kollateralen Gefäßen durchblutet wird.

Schlaganfall – die Ursachen

Beeinflussbare Risikofaktoren für die Entstehung eines Schlaganfalls sind Bluthochdruck, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Rauchen, erhöhter Cholesterinspiegel (LDL) Alkoholmissbrauch und erhöhter Homocysteinspiegel. Beim ischämischen Schlaganfall führen die genannten Risikofaktoren dann zu vier typischen Ursachen eines Schlaganfalls:

  1. durch Herzrhythmusstörung (kardioembolischer Schlaganfall)
  2. Verengung der hirnzuführenden Schlagader (Carotisstenose), z.B. durch Gefäßverkalkung, Gefäßwandeinriss oder -Entzündung
  3. Gefäßverschluss von größeren oder kleinen Gefäßen des Hirnes
  4. andere Ursachen (z.B. Gefäßeinriss, -entzündung, Gerinnungsstörung, rheumatische Erkrankungen)

Schlaganfall – Therapie

die ersten Stunden (time is brain)

Tritt ein Schlaganfall auf, spielt die Zeit ein große Rolle. Ist ein hirnversorgendes Gefäß verschlossen, kann es ggf. wieder eröffnet werden. Studien belegen inzwischen positive Effekte von sog. rekanalisierenden Therapien. In der Regel schließt sich das Zeitfenster mit positivem Nutzen-Risiko-Verhältnis aber nach 6 Stunden. Die Entscheidung für oder gegen eine rekanalisierende Therapie wird davon abhängig gemacht, ob noch Hirngewebe zu retten ist. Das kann man in speziellen Sequenzen der Computertomografie oder Kernspintomographie sehen.

Die Versorgung von Schlaganfallpatienten auf einer speziellen Station (Stroke Unit) hat die Sterblichkeit und dauerhafte Behinderung von Betroffenen reduziert. In den ersten 72 Stunden wird auf eine gute Versorgung mit Sauerstoff im Blut, einen hochnormalen Blutdruck (140-180 / 80-90 mmHg), einen normalen Blutzuckerspiegel und eine normale Körpertemperatur geachtet. Außerdem werden Komplikationen vermieden (Thrombose, Pneumonie, Verschlucken, Dekubitus) und es kann umgehend reagiert werden, wenn sich die Funktionsstörungen wieder verschlechtern.

einen neuen Schlaganfall vorbeugen

Um einen erneuten Schlaganfall zu verhindern, wird eine Blutverdünnung begonnen oder angepasst. Je nach Grundkrankheit wir die Art des Blutverdünners gewählt. Außerdem wird ein Fettsenker (Statin) ergänzt oder die Dosis erhöht. Nach den ersten Tagen wird auch ein Zielblutdruck von < 144 mmHg systolisch angestrebt. Mit der Kombination aus Blutverdünnung, Fettsenker und Blutdruckkontrolle kann das relative Risiko eines erneuten Schlaganfalls um 80-90% reduziert werden. Die einzelnen Bausteine der Therapie haben eine viel geringere Wirkung! Untersucht man aber, wie viele Menschen nach einem Schlaganfall diese Dreifachprophylaxe einnahmen, liegt die Einnahmetreue nur bei 23.6% …

Regeneration des Gehirns

Nach einigen Tagen kann sich dann das Gebiet regenerieren. Die Regeneration wird durch ein Einsprossen von Gefäßen aus anderen Gebieten, Wachstumsfaktoren und neuronale Stammzellen gefördert. Unabhängig von regenerativen Prozessen, kommt es aber zu einem Umbau des neuronalen Netzwerkes. Das Hirn ist im Prinzip eine Ansammlung von Zellen, die mit langen Fasern verbunden sind. Daraus entsteht ein riesiges Netzwerk. Und das kann sich anpassen. Man nennt das „Diaschisis“ und begründet die Wirksamkeit der Neurorehabilitation.

Lesen Sie hier, wie sich das Gehirn durch eine gezielte Schlaganfallrehabilitation wieder erholen kann …

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