PD Dr. med. C. Schmidt

Referenz: de Cabo et al, N Engl J Med 2019; 381:2541-2551

Kernaussagen

  1. Intervallfasten kann einen Beitrag gegen Demenz, Krebs, Diabetes, Übergewicht usw. leisten und sogar Alterungsprozesse mindern oder umkehren.
  2. Unregelmäßige Nahrungsaufnahme mit Fastenzeiten von mind. einem halben Tag (oder besser mehr) wirkt sich positiv auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit aus.
  3. Mit einem guten Plan, lässt sich ein Fastenregime häufig problemlos in den Alltag integrieren, ohne dass es „Hungern“ bedeutet. (z.B. Frühstück in die Mittagszeit „schieben“ oder ausfallen lassen).

Was ist Intervallfasten?

Heute besprechen wir einen Artikel aus dem renommierten New England Journal of Medicine, der im Dezember 2019 erschien. Er bietet einen Überblick über die Effekte des Fastens auf die Gesundheit und das Altern. Sie haben sicher schonmal die Begriffe „intermittierendes Fasten“ oder „Intervallfasten“ gehört. Dabei geht es darum, mehrere Stunden oder mehrere Tage zwischen den Mahlzeiten keinerlei Nahrung zu sich zu nehmen. Also das Gegenteil von dem, was in den neunziger Jahren propagiert wurde: Damals galt: viele kleine verteilte Mahlzeiten am Tag. Ohne dass es dafür eine wissenschaftliche Grundlage gab.

Intervallfasten bremst chronische Erkrankungen und den Alterungsprozess

Die Idee ist, dass es früher die Regel war, dass zwischen den Mahlzeiten eine Hungerperiode herrschte. Schon seit längerem ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass reduzierte Kalorienaufnahme und/oder Fasten die Lebensspanne von Tieren deutlich verlängert. Auch sind positive Effekte gegen allerlei Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Demenz, chronische Entzündungen wie Rheuma, Allergien, Asthma usw. aber auch Krebs beobachtet worden. Die Autoren fassen die bisherigen Erkenntnisse zusammen und zeigen, dass mittlerweile auch die Mechanismen hinter diesen o.g. Effekten immer besser verstanden werden. Nach einer gewissen Zeit des Fastens werden molekulare Wege aktiviert (mTOR usw.), die die Abwehrkräfte der Zellen gegen sog. oxidativen Stress erhöhen. Der Körper beginnt alte und kranke Zellen aktiv abzubauen (sog. Autophagie (von griech. „sich selbst essen“)). Diese alten und kranken Zellen, die sich sonst im Körper mit der Zeit ansammeln, sorgen ganz erheblich dafür, dass Alterungsprozesse vorangetrieben werden, indem sie zum Beispiel Botenstoffe, die zu Entzündungen führen, absondern.

Fastenperioden gehören zu unserer Natur

Die Effekte, lassen sich mittlerweile auch in Studien am Menschen nachweisen. Und sie gehen über das hinaus, was nur durch eine reduzierte Nahrungs/Kalorienzufuhr erklärbar ist. Menschen die intermittierent (intermittierend = „ab und zu“) Fasten verlieren erheblich an Körperfett aber keine Muskelmasse, da bestimmte Muskel erhaltende Hormonwege aktiviert werden. Die Gedächtnisleistung steigt und die gesamte Leistungsfähigkeit wird verbessert. Nochmal wiederholt: Fasten ist kein Hungern. Fasten ist einfach nur eine andersartige Verteilung von Zeiten der Nahrungsaufnahme und des Nicht-Essens. Es ist nichtmal zwingend nötig, dass im Rahmen des intermittierenden Fastens weniger Kalorien aufgenommen werden. Das Essen wird einfach nur anders verteilt. Stellen Sie sich einen Löwen vor, der Hunger hat. Es ist biologisch sinnvoll, dass er in den ersten Tagen des Hungers eben keine Muskelmasse verliert, sondern seine gesamte Leistungsfähigkeit sogar noch gesteigert wird, denn er muss diese Leistung erbringen können, um seine nächste Beute zu erlegen. Erst wenn er sehr lange und chronisch hungert, dann treten die negativen Effekte einer Mangelernährung zu Tage.

Fasten bedeutet nicht Hungerleiden – Kann ich das auch?

Alles in allem mehren sich die Hinweise, dass intermittierendes Fasten ein hilfreiches Mittel im täglichen Leben sein kann um allerlei Krankheiten vorzubeugen, bzw. diesen entgegenzuwirken und um körpereigene „Antiaging“ Mechanismen zu aktivieren. Positiver Stress hilft uns! Kurze Hungerperioden sind positiver Stress, wenn richtig angewandt. Ganz nach dem Motto „was uns nicht umbringt macht uns hart“. Das nennt man „Hormesis“. Spannend ist, dass fastende Menschen meistens keinen Hunger empfinden, wenn Sie das Fasten „trainiert“ haben. Im Gegenteil, sie fühlen sich leistungsfähig und besonders „klar im Kopf“. Das hat unter anderem etwas mit einem niedrigen Insulinspiegel zu tun. Die Autoren geben sogar eine praktische Anleitung mit: Trainieren Sie im ersten Monat eine 14h nichts zu essen, und in den verbleibenden 10h sich ganz normal zu ernähren. Das ist nicht schwer, wenn Sie 18 Uhr das späteste Abendbrot zu sich nehmen und erst 8:00 wieder frühstücken. Weiten Sie das Fenster des Fastens jeden Monat um 2 Stunden aus, bis Sie bei 18h fasten und 6h Nahrungsaufnahme angekommen sind. So kann man es angehen. Es gibt aber auch andere Wege, verschiedene Fasten-Muster zu realisieren.

Es ist eine Gewohnheit, die man langsam aufbauen muss, wenn man es denn will. Wenn Sie allerdings Medikamente wie Insulin nehmen, dann sollten Sie immer Ihren Arzt zurate ziehen! Es ist gut möglich, dass Sie nach einiger Zeit des intermitt. Fastens auch weniger Medikamente gegen Ihren Zucker oder Ihren Blutdruck benötigten. Hier ist ärztliche Begleitung unbedingt wichtig.

Auch wir beraten Sie gern, wenn Sie sich für das intermittierende Fasten interessieren und somit Ihr Altern verlangsamen wollen und Zucker, Bluthochdruck, geistigem Verfall, Fettleibigkeit usw. den Kampf ansagen möchten. Kontaktieren Sie uns !

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